Der Mond beleuchtet die bronzefarbenen Spitzen des Bergmassivs Drei Zinnen in Italien. In der Bialowiezer Heide in Polen stehen sich zwei Wisente mit gesenkten Köpfen gegenüber – jedes der Tiere wiegt fast 1000 Kilogramm. Sonnenstrahlen zeichnen ein Netz aus Licht auf die Haut eines Riesenhais, der vor Schottlands Küste schwimmt. Das ist Europa. Die wilde Seite des Erdteils, der uns so vertraut erscheint. Im bisher größten Naturfotografie-Projekt weltweit, Wild Wonders of Europe, haben 69 Fotografen über Monate hinweg 48 Länder bereist. Sie wollten eine Datenbank der heimischen Natur schaffen, einen fotografischen Katalog der Biodiversität. Das Ergebnis ihrer Arbeit kann sich sehen lassen: 200.000 Fotografien von Landschaften, Pflanzen und Tieren sind nach 15 Monaten der Beobachtung zusammengekommen. Aus dieser Fülle von Aufnahmen sind nun 300 ausgewählt und in dem Buch Wild Wonders of Europe veröffentlicht worden. "Wir haben gute Nachrichten", heißt es im Vorwort, "Europas Wildnis kehrt zurück!" Ein ungewöhnlich positiver Ansatz für ein Naturbuch, einer Sparte, in der es selten ohne mahnende Worte geht. Hier darf die Natur für sich selbst sprechen. Die Texte, zur Hälfte kurze Erfahrungsberichte der Fotografen, zur anderen Erläuterungen der Autoren zu Naturschutzprojekten und Renaturierungsbestrebungen, bleiben Randnotizen. Stattdessen darf der Leser Farbenpracht und eine Optik zum Anfassen genießen. Der Sand könnte nicht körniger, die Blütenblätter der Tulpe nicht fleischiger wirken. Man ist mittendrin im Grünen.
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